
Kunsttherapie für Kinder – ein sicherer Raum für Gefühle
Manchmal fehlen Kindern die Worte.
Aber Bilder können tragen.
Gerade Kinder, die Krieg, Flucht oder belastende Veränderungen erlebt haben, tragen oft mehr in sich, als sie sagen können.
Trauma, Stress, Unsicherheit – all das zeigt sich nicht immer in Sätzen, sondern in Blicken, Verhalten, Rückzug oder Unruhe.
Ein Kunsttherapieraum kann in solchen Momenten wie ein inneres Zuhause sein:
ein Ort, an dem Kinder sich ausdrücken dürfen, ohne erklären zu müssen.
Hier zählt nicht, ob etwas „schön“ ist.
Hier zählt: Ich darf fühlen. Ich darf zeigen. Ich darf heilen.
Der Zweck dieses kunsttherapeutischen Angebots ist die Schaffung einer unterstützenden und inspirierenden Umgebung, in der Kinder wachsen, sich entwickeln und sich von Traumata und Stress im Zusammenhang mit ihren Erfahrungen erholen können.

Kunst als Sprache
Kunsttherapie bedeutet nicht „Malunterricht“.
Es ist ein therapeutischer Prozess – über Kreativität, Symbolik und Ausdruck.
Im Kunsttherapieraum begegnen Kinder sich selbst auf eine sanfte Weise:
mit Farben, Formen, Figuren, Geschichten – und manchmal auch mit dem, was (noch) nicht gesagt werden kann.
Dabei arbeiten wir mit verschiedenen kunsttherapeutischen Elementen, zum Beispiel:
- Zeichnen
- Malen
- Modellieren
- Collagen und gemeinsames Gestalten
- Theateraufführungen / Rollenspiele
- Märchentherapie (heilende Geschichten und Symbolwelten)
- Elemente der Kultur des Heimatlandes (z. B. Motive, Symbole, Erinnerungen)
So entsteht ein Raum, in dem Kinder ihren inneren Zustand nach außen bringen dürfen – und erleben: Ich werde gesehen.

Spiele, die stärken
Kinder verarbeiten oft nicht durch Gespräche – sondern durch Spiel.
Deshalb ist spielerisches Arbeiten ein fester Teil der Kunsttherapie.
Zum Beispiel durch:
- Story-Spiele (Erzählspiele, Rollenspiele, Symbolgeschichten)
- Gesellschaftsspiele
- spielerisches Aufgabenlösen
- Gruppenübungen, die Kooperation und Vertrauen fördern
Dabei passiert etwas Wichtiges:
Kinder spüren wieder Einfluss auf ihre Welt.
Sie erleben Erfolg, Entscheidung, Mut – und Sicherheit.

Entspannung, die reguliert
Viele traumatisierte Kinder sind innerlich dauerhaft „auf Alarm“.
Ein Ziel der Kunsttherapie ist deshalb auch: das Nervensystem beruhigen – und dem Körper beizubringen, dass es wieder sicher sein darf.
Dazu werden entspannende Elemente integriert wie:
- Musik und Naturgeräusche
- kreative Entspannungsübungen
- Atemübungen
- Visualisierung
- Meditation
- Massageübungen
- Progressive Muskelentspannung
So lernen Kinder, ihre Spannung wahrzunehmen – und Wege zu finden, sie zu lösen.
Nicht über Druck.
Sondern über Vertrauen.

Eine sichere und unterstützende Atmosphäre
Damit Kunsttherapie wirken kann, braucht es vor allem eins: Sicherheit.
Der Kunsttherapieraum bietet:
- Vertrauen und emotionale Unterstützung
- klare Verhaltensregeln (Orientierung, Grenzen, Schutz)
- eine vertrauensvolle Beziehung zur Kunsttherapeutin
- einen sicheren physischen Raum
Hier darf man langsam sein.
Hier darf man vorsichtig sein.
Hier darf man sich öffnen – ohne Angst.

Gruppenarbeit: Gemeinsam fühlen – gemeinsam wachsen
Regelmässige Gruppenkurse sind ein wichtiger Teil dieses Angebots.
In einer Atmosphäre von Sicherheit, Unterstützung und Vertrauen können Kinder ihre Emotionen und Gefühle freier erleben – und merken:
Ich bin nicht allein.
Durch die Gruppe lernen Kinder:
- im Team zu arbeiten
- eigene Gefühle besser zu verstehen
- Emotionen anderer wahrzunehmen und einzuordnen
- gegenseitige Unterstützung zu geben und anzunehmen
- nonverbale Kommunikation zu nutzen (wenn Sprache fehlt)
Dabei entstehen wichtige Entwicklungsschritte:
- soziale Anpassung
- Selbstvertrauen
- eine positive Einstellung zu sich selbst
- Entwicklung sozialer Kompetenzen
- Integration und Orientierung in einem neuen Leben

Eltern einbeziehen – weil Heilung zuhause weitergeht
Auch die Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehungsberechtigten ist entscheidend.
Denn Kunsttherapie endet nicht nach 90 Minuten – sie wirkt nach.
Und Kinder brauchen Menschen, die verstehen, wie sie im Alltag gut begleitet werden können.
Dazu gehören:
- individuelle Beratungsgespräche
- regelmäßige Kommunikation mit Eltern
- Information über Verlauf und Ergebnisse der Therapie
- Austausch über Veränderungen, Fortschritte und Beobachtungen
- konkrete Hinweise, wie Eltern ihr Kind außerhalb der Therapie unterstützen können
- auf Wunsch: Beteiligung der Eltern an einzelnen Sitzungen oder gemeinsamen Aktivitäten
Kinder, die regelmässig Kunsttherapie besuchen und deren Eltern die therapeutische Wirkung unterstützen, zeigen häufig deutliche positive Veränderungen:
im psychischen Wohlbefinden sowie im sozialen, emotionalen und kreativen Bereich.

Was Kunsttherapie bewirken kann
Die Kunsttherapie für Kinder mit traumatischen Erlebnissen ist ein wirksames Instrument zur psychischen Genesung und Anpassung an ein neues Leben.
Zu den unbestrittenen Stärken gehören:
- Ein sicherer Ort
- Linderung psychischer Spannungen
- Steigerung des Selbstwertgefühls und Wiederherstellung des Selbstverständnisses
- Entwicklung kreativer Fähigkeiten und Fertigkeiten
- soziale Unterstützung
- kulturelle Sensibilität
- therapeutische Begleitung
- Integration und Anpassung
Und manchmal auch etwas ganz Einfaches – aber Großes:
Ein Kind, das wieder lächelt.
Oder wieder spielt.
Oder plötzlich merkt: Ich kann etwas erschaffen.

Kunsttherapeutin: Dr. Inna Vorobiova

Dr. Inna Vorobiova ist ausgebildete Psychologin und Kunsttherapeutin.
Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Forschung und psychologischer Praxis – insbesondere in der Arbeit mit Familien, Kindern und Militärangehörigen sowie ihren Angehörigen. Seit 2014 arbeitet sie in der psychologischen Praxis und begleitet u. a. Kinder von Militärs.
Ihr Werdegang:
- Studium der Psychologie an der Nationalen Universität für Innere Angelegenheiten (Abschluss 2001)
- Tätigkeit an der Universität in der Abteilung für Allgemeine Psychologie
- Dissertation und erfolgreicher Abschluss 2007 (akademischer Titel)
- Tätigkeit an der Nationalen Akademie der Nationalgarde der Ukraine (Forschungslabor, später Psychologie & Pädagogik)
- seit 2017: Promotion und Arbeit an einer weiteren Dissertation
- mehr als 100 wissenschaftliche Publikationen
- fachliche Interessen: Kunsttherapie, Psychotherapie und EMDR-Therapie
Mit der Geburt ihrer Tochter vertiefte Inna ihre kunsttherapeutische Ausbildung und Praxis nochmals intensiv – und bringt diese Erfahrung heute in die Arbeit mit Kindern ein: achtsam, professionell, kultursensibel und zugewandt.
E-Mail: inna.sparrow.psy@gmail.com

Ort und Zeit
Samstags: 15:00 – 16:30 Uhr
Ort: Bibliothek, Music Box 1 (Luzern)
Leitung: Dr. Inna Vorobiova



