
Malen als kreative Therapie (Erwachsene)
Krieg, Flucht, Neuanfang – all das wirkt nicht nur auf das äussere Leben, sondern tief nach innen. Viele Menschen, die in der Schweiz angekommen sind, tragen weiterhin eine grosse innere Last: Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen, Gefühle, die sich schwer einordnen lassen, körperliche Anspannung, Erschöpfung oder das Gefühl, innerlich „abgeschnitten“ zu sein.
Manchmal fehlen die Worte für das, was erlebt wurde. Und manchmal fehlt sogar die Kraft, überhaupt darüber zu sprechen. Genau hier kann kreatives Arbeiten eine sanfte, aber sehr wirksame Tür öffnen – ohne Druck, ohne Erwartung, ohne richtig oder falsch.
Denn nicht alles muss ausgesprochen werden, um verarbeitet werden zu können.
Wenn Worte fehlen, beginnt Farbe zu sprechen
Malen ist eine der ursprünglichsten Ausdrucksformen des Menschen. Es braucht keine perfekte Sprache, keine Erklärung, keine Rechtfertigung. Ein Pinselstrich, eine Farbe, eine Form – manchmal reicht das schon, um das Innere sichtbar zu machen und dabei Ordnung in ein Chaos zu bringen, das man sonst nur schwer greifen kann.
Viele Menschen erleben in belastenden Lebensphasen genau das:
- sie sind innerlich überreizt oder ständig angespannt
- sie haben Schwierigkeiten, Gefühle zu benennen
- sie fühlen sich blockiert oder wie „eingefroren“
- sie tragen Trauer, Angst oder Wut in sich – aber ohne Raum dafür
- sie funktionieren im Alltag, doch innerlich ist alles schwer
Malen kann dabei helfen, diese innere Welt zu entlasten – nicht durch Analyse, sondern durch Ausdruck. Es ist eine stille Art, dem Körper und der Seele zu sagen: „Du darfst da sein. Du darfst zeigen, was in dir passiert.“


Kein normaler Kunstkurs – sondern ein sicherer Raum
Wichtig ist: Bei diesem Angebot geht es nicht um Kunst im klassischen Sinn. Es geht nicht um Talent, Technik oder ein „schönes Bild“. Das künstlerische Ergebnis steht nicht im Vordergrund.
Im Zentrum stehen vielmehr:
- die Freude am Gestalten
- das Erkunden der eigenen Ausdruckskraft
- die Möglichkeit, Emotionen sichtbar zu machen
- die Entspannung durch kreativen Flow
- das gemeinsame Erleben in einer unterstützenden Atmosphäre
Viele Teilnehmer*innen berichten, dass sie beim Malen zum ersten Mal seit Langem wieder in einen Zustand kommen, in dem sie wirklich bei sich sind: ruhig, konzentriert, im Moment. Dieser Zustand wirkt stabilisierend – gerade dann, wenn das Leben ausserhalb des Kursraums von Unsicherheit geprägt ist.

Warum kreatives Arbeiten therapeutisch wirken kann
Malen wirkt auf mehreren Ebenen – und oft spürt man das ganz unmittelbar. Schon das Auswählen von Farben, das Mischen, das Streichen über Papier oder Leinwand kann beruhigend sein.
Kreative Prozesse können helfen, wenn …
- innere Unruhe oder Stress zu stark werden
- Erinnerungen und belastende Gedanken kreisen
- das Nervensystem kaum noch entspannen kann
- man sich „taub“ oder emotional blockiert fühlt
- man wieder in Kontakt mit sich selbst kommen möchte
- man neue Kraft und Hoffnung schöpfen möchte
Besonders nach belastenden Erfahrungen – wie Krieg, Flucht oder Verlust – ist es manchmal nicht möglich (oder nicht hilfreich), sofort über alles zu sprechen. Kreatives Arbeiten bietet eine alternative Form von Verarbeitung: sanfter, indirekter, aber oft sehr tief.




In Gemeinschaft – aber ohne Druck
Ein weiterer wichtiger Teil dieses Angebots ist das gemeinsame Erleben. Viele geflüchtete Menschen fühlen sich isoliert: neues Land, neue Sprache, neue Strukturen – und oft kaum ein Ort, an dem man sich wirklich verstanden fühlt.
Beim Malen entsteht Gemeinschaft auf eine sehr natürliche Weise: Man ist zusammen in einem Raum, arbeitet an eigenen Bildern, ist verbunden – ohne reden zu müssen. Und wenn Gespräche entstehen, dann oft ganz leicht und organisch.
Hier darf jede Person so sein, wie sie gerade ist:
still oder gesprächig, traurig oder fröhlich, offen oder zurückhaltend.
Dieses Angebot schafft einen sicheren Rahmen, in dem Menschen sich nicht erklären müssen.

Geleitet von Elena Javanovski
Wöchentlich wird dieser Kurs von unserer Präsidentin Elena Javanovski begleitet. Sie führt mit viel Feingefühl durch die Malstunden und schafft eine Atmosphäre, in der Erwachsene sich wieder trauen dürfen, kreativ zu sein – frei von Bewertung und Leistungsdruck.
Elena legt Wert darauf, dass jede Person ihren eigenen Zugang findet: Manche möchten Gefühle ausdrücken, andere suchen Ruhe, wieder andere entdecken über das Malen neue Seiten an sich selbst. Alles ist willkommen.


Für wen ist das Angebot geeignet?
Das Angebot richtet sich an Erwachsene, die …
- kreative Entlastung und einen stabilisierenden Ausgleich suchen
- Stress abbauen und innerlich zur Ruhe kommen möchten
- eine sanfte Form der Verarbeitung erleben wollen
- ihre Ausdruckskraft wiederentdecken möchten
- Freude am Gestalten haben – unabhängig von Vorkenntnissen
Es sind keine Mal-Kenntnisse nötig. Auch Menschen, die „noch nie gemalt haben“ oder glauben, „nicht kreativ zu sein“, sind genau richtig. Oft sind es gerade diese Teilnehmer*innen, die am meisten überrascht sind, wie gut es tut.


Ort und Zeit
Freitag: 11:00 – 13:00 Uhr
Ort: Bibliothek in der Music Box 1 (Luzern)
Kreativität als Weg zurück zu sich selbst
Unser ukrainisches Kulturzentrum ist ein Ort des Ankommens, der Begegnung und der Stabilisierung. Wir unterstützen Menschen nicht nur organisatorisch – sondern auch emotional, sozial und menschlich.
Mit dem Angebot „Malen als kreative Therapie“ schaffen wir einen Raum, in dem Erwachsene wieder Zugang zu sich selbst finden können: über Farben, Formen, Stille und Gemeinschaft.
Denn Heilung beginnt nicht immer mit Worten.
Manchmal beginnt sie mit einem Pinselstrich.
